Blogs vs. Social Media – Auswertung der Blogparade

Es ist vollbracht – die erste Blogparade des Katzenkacke-Blogs ist beendet und ob der überschaubaren Reichweite meines Blogs freue ich mich sehr, dass es am Ende tatsächlich eine kleine Parade geworden ist.

Den Aufruf zur Parade findet Ihr hier nocheinmal zum Rekapitulieren.

Gefragt war, wie es in Zeiten von Facebook & Co. um die eigentliche Bloggerei bestellt ist, hat sie in Gegenwart ausufernder und immer neuer Social-Media-Kanäle eine Zukunft? Wo warten die Leser der Posts, Tweets und Abhandlungen? Das Thema liefert, wenn man darüber nachdenkt, eigentlich Stoff für ein Buch – aber da ich schon beim Bloggen unter Schreibblockaden leide, fange ich so etwas lieber gar nicht erst an.

Relative Einigkeit stellte sich bei den Mitstreitern der Parade sehr schnell ein, wenn es darum ging, das Blog gegenüber dem Social-Media-Kanal zu verorten, kurz zusammengefaßt: Der Blog ist ausführlich und nachhaltig, doch

Social Media ist Fastfood

Oder wie Claudia von “Tipptrick” es diplomatischer ausformuliert:

Der Nachteil ist, dass dort so viel veröffentlicht wird, dass alle Posts immer weiter nach unten rutschen und auch nicht mehr so gut gefunden werden.

während Hans von den “tages-gedanken” es erotisch auf den Punkt bringt:

Manchmal hat man auch mal Lust auf einen Quicky. Ist ja auch soweit OK. Dann bieten sich Twitter, Google+ und wie sie alle heißen mögen natürlich an

Dass sich Blogs und Social-Media-Kanäle nicht konkurrierend gegenüberstehen müssen, sondern sich zu Synergien ergänzen können, meinen sowohl Claudia

In der Regel machen Blogger in sozialen Netzwerken Werbung für ihre Blogs und posten nach Veröffentlichung eines neuen Artikels.

als auch die Kollegen von “Lecturio“:

Bei Lecturio werden beide Formen gemixt: Blogbeiträge werden über Facebook beworben und verlinkt.

Hans drückt es klassenkämpferisch aus :) :

“Gemeinsam ist man stark”.

Einen etwas rigideren, aber lesenswerten Beitrag hat Peter von nerd-o-mania eingeliefert, der dem Bild von friedlicher Koexistenz einen sarkastischen Reality-Check verpaßt, dem ich mich gedanklich verbunden fühle. Die Quintessenz lautet: Bloggen macht Arbeit. Bloglesen macht aber auch Arbeit – und die scheut ein Großteil des potentiellen Publikums, was es dem Blogger wegen ausbleibender Feedbacks auch nicht leichter macht.

Natürlich sind wir alle Blogger und darum nicht ganz wertungsneutral, wenn es um die Bloggerei geht, aber so optimistisch wie Alex von “wpzweinull” würde ich es nicht sehen:

Ich denke, dass die Blogs locker die nächsten dreissig Jahre überleben werden

Ich bin ja seit den frühen Neunzigern im WWW unterwegs und habe nicht nur die technische, sondern auch die intellektuelle Entwicklung im Netz miterlebt… Nein, ich behaupte, in 30 Jahren bloggt niemand mehr. (Ich darf das behaupten, 2044 bin ich Humus und kann für meine Aussage nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden…) – weil es niemand mehr liest.

Ich bin ziemlich sicher, dass der Trend zu leichtverdaulichen und schnell vergessenen Nachrichtenströmen anhält. Einfach aus Bequemlichkeit. Firmen, die jetzt erst auf den Trichter der Bloggerei kommen, sind eigentlich schon um Etliches zu spät dran. Natürlich wird insbesondere im Wirtschaftssektor der Blog für ausführliche Information zu Produkten und Leistungen seinen Bestand haben, allerdings könnte man dafür auch einfach HTML-Code zusammenschreiben, “Blogs” haben viele Firmen imho doch nur, weil der Praktikant sich mit WordPress oder Joomla auskennt.
Im Moment erleben wir, so scheint es, eine Art Übergangsphase. Die ersten Blogger bloggen nicht mehr in herkömmlichen Blogs, sondern verlagern das Bloggen zu Facebook & Co. – nicht nur einen Teaser, sondern ganze Beiträge. Unabhängig von der Halbwertszeit der Beiträge scheinen sie doch dort ihre Leser besser abholen zu können.
Das wird sich ausweiten, denke ich und weitere Social-Media-Kanäle werden die Möglichkeit einräumen, unter ihren Fittichen zu bloggen. Ich sehe also persönlich einigermaßen schwarz für die Zukunft der Bloggerei, auch weil der Begriff mehr und mehr mit Werbung und Spam besetzt wird. Das nervt nicht nur mich (siehe hier), sondern auch Peter:

Nicht vergessen sollte man auch, dass das Niveau der Blogs verwässert wird durch die ganzen “Tante Trudes Produkttest-Blogs”, die als Auftragsblogger für Hallimash und Co. halbgaren Quark über Dinge die keiner braucht, schreiben. Als Einführung irgend einen dümmlichen Zweizeiler und dann eine Review in höchsten Tönen, die selbst Münchhausen die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, zu einem Schrott-Produkt, das auf Fotos schon aussieht als würde es sein technisches Leben bereits aushauchen, wenn man versucht es aus der Verpackung zu pfriemeln.

Der Blog ist tod, es lebe der Blog – Danke fürs Mitmachen und Danke fürs Lesen. Ich freue mich auf weitere Wortmeldungen im Kommentarbereich.

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