Linkgeiz 2.0 oder Linktausch kotzt mich an…

Über den Linkgeiz in Deutschland haben ja bereits einige Blogger-Kollegen geschrieben. Ich sag mal so: Natürlich verstehe ich, wenn jemand seine Firmenwebseite nicht für irgendwelche Links zu Pokerspielen oder Stromtarifvergleichen mißbrauchen lassen will – ein Punkt, wo ich mit dem Linkgeiz völlig einverstanden bin – aber wo linkt man dann wild in der Gegend herum, um ein paar ‘a hrefs’ zu fangen? Der Trend geht ja seit einger Zeit zu den sogenannten Linkpyramiden. Das heißt, man hat meinetwegen einen dreistufigen Linkaufbau: ganz oben steht die sogenannte Money-Site. Das muß jetzt nicht zwingend die Webseite sein, die online Geld generiert (z.B. mit Adsense) – obwohl es oft so ist – nein, es kann auch die eigene Firmenseite sein, mit der man offline seine Kohle verdient, indem man Kunden im Real Life damit ködert.

Auf der zweiten Ebene liegen dann oft und gern sogenannte Satellitenseiten, also themenverwandt erstellte Internetseiten, bei denen es nicht zwingend auf die Sichtbarkeit in den SERPs ankommt, sondern, eher darauf, daß sie den mit ihnen verbundenen Moneysites ein wenig Power geben, indem sie auf selbige linken.

Wer möchte, kann unterhalb dieser Ebene noch eine Schicht Seiten einziehen, die weitere Links zu den Satelliten bereitstellt. Da jedoch einen Link, auch ein kostenloser, stets mit zumindest kalkulatorischen Kosten einhergeht, sparen die meisten Pyramiden-Spieler in den untersten Ebenen zurecht mit Qualität. Das heißt, die 2. und 3. Ebene der beschriebenen Linkpyramide wird zumeist mit leicht zu erhaschenden Backlinks befeuert. Seien es Blogkommentare (anstrengend) oder SEO-Tools (easy, nicht immer billig) – auf Seiten dort unten linken im Endeffekt viele, aber schrottige Links hin.

Hier kommt jetzt das Bild mit der Glühbirne: BING! Also hatte ich, der ich ebenfalls bissel Schrott im Portfolio habe, um meine Money-Site mit Linkpower zu versorgen (wer linkt schon freiwillig themenrelevant zu einer Firma…?) die geniale Idee: Suche Dir keine Linkpartner für die Firmenseite, die kriegste eh kaum – Such lieber Linkpartner für die Unterstützungsseiten.

OK, diese Idee ist alt, jeder, der schonmal über ein öffentliches Forum Linkpartner gesucht hat, dürfte bereits erlebt haben, daß man für Links von der eigenen Hauptseite im Gegenzug Links von fremden Satelliten angeboten bekommt. (Schämt Euch, ihr Betrüger-”SEO”s.) Also, wenn andere die Idee schon praktizieren – warum dann nicht ein wenig Fairness einbauen und die Idee relaunchen?. Ergo startete ich folgendes Experiment:

In der Linktauschkategorie eines Webmasterforums bat ich um Linktausch von und zu drittklassigen Linkgeber- und Satellitenpages. Im Grunde ging es mir darum, dem Schrott, der sich bei vielen Webmastern so ansammelt, ein wenig Gewicht bei Tante G zu geben, indem auch mal andere Links darauf zeigen, als Angela-Forenspam oder drittklassige “Nice-Blog”-Kommentare aus der Spam-Software.

WAS FÜR EINE BRUCHLANDUNG…. Linkgeiz 2.0 heißt: Linkgeiz in der 2. Ebene mit 0 Ahnung…

Natürlich gingen kurz nach Veröffentlichung meines Ansinnens die ersten Zuschriften ein. Und natürlich gingen die ersten gleich mal auf Dummenfang und boten mir PR6 oder PR4-Domains mit 0 Backlinks als Tauschplätze an. Haha.. noch konnte ich lachen.

Dann kamen die ersten Listen mit Tauschdomains. So wie ich es in der Anzeige gefordert hatte, waren es nahezu ausnahmslos extrem schrottige Satelliten, teilweise angeschimmelte MFA-Seiten. Erfreut sendete ich meine Liste von Tauschmöglichekeiten:

Klar, 2 neue Freeblogs waren dabei, eines als Autoblog täglich mehrmals neu mit Content versorgt (na und? Ranken Zeitungen etwa nicht, obwohl die News nur einmal herausgegeben werden und jede Zeitung sie verwurstet), doch der Rest waren relativ alte und mittelalte Geschichten, meine älteste URL ist von 1995 und da ist ein Forum drauf projektiert, welches immernoch genutzt wird. Dann noch ein stark frequentiertes Motorradforum (Alter: 12 Jahre) und einige andere Sachen.

Wahhh. Und jetzt krochen die Linkgeizler aus ihren Löchern. Der erste meinte, ich hätte nur Scheißblogs und alles(!) wäre Duplicate Content – ok, das erwähnte Autoblog schon, aber der Rest ist ausnahmslos unique und von mir… was für ein Experte… Der zweite bot mir drei völlig gleich aussehende Baukastenblogs mit unterschiedlichen Überschriften an – super, ich wollte ja Schrott linken – also sendete ich ihm meine Liste. Die Antwort: Er wolle lieber mit hochwertigen (SIC!) Seiten tauschen. OK, denk ich mir, laß es. Und das schrieb ich ihm auch – prompt fing er an zu betteln, doch noch LT zu machen. Nix da. Wenn ich beleidigt werde, dann bleib ich es auch!

Der nächste Kandidat wollte, daß ich auf seiner mistigen Satellitenseite unique Artikel veröffentliche, wo ich dann nen Backlink einbauen dürfte – Argh! Junge, ich hab nen Stundensatz von 104 Euro, glaubst Du ich schreibe für ein Mistblog ne halbe Stunde an einem Artikel, um dann auf die nächsten 10 Jahre einen nie indexierten Link zu bekommen…?

Alles in allem haben die meisten (nicht alle!) potentiellen Linkpartner überhaupt nicht kapiert, was die Aktion eigentlich sollte, nämlich die 2. oder 3. Linkebene der eigenen Pyramiden zu stärken. Es half auch nichts, daß ich genau das in die Anzeige geschrieben habe… Selbst bei unwichtigen Satelliten geiern die deutschen Webmaster (und jene, die sich so bezeichnen) nach Pagerank und langen themenrelevanten Artikeln, die man natürlich selber zu schreiben hat. Wozu? Wollt ihr mit Euren Sats die eigenen Moneysites überholen?

Nun, es war ein Versuch – doch er ist gescheitert. Also pingt weiter planlos Eure Satelliten, tragt sie in 100000000-Seiten-Submitter ein oder versucht sie unbedarften Hobbywebmastern als Linkgelegenheit unterzujubeln. Ich hab meine Rückschlüsse mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht gezogen. :]

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