ausprobiert: Triumph Scrambler EFI

Gestern war meterologischer Herbstanfang. Mit 30 Grad im Schatten also genau der richtige Zeitpunkt, Triumphs ewig jungen Retro-Pistenwühler einmal auf Kompatibilität mit meinem Hintern zu prüfen. Der Termin fand in der Triumph Niederlassung Leipzig statt.

Eigentlich bin ich ja mit meinem Reihenvierer samt seinen 98 PS als flotte Alltagsmaschine recht zufrieden, aber als ich vor Jahren auf der Leipziger Motorradmesse Erstkontakt mit der New Bonneville und ihren Derivaten Scrambler und Thruxton hatte, war es rein der Optik wegen um mich geschehen. Nun wollte die FZ6 aber auch erst abgezahlt sein, also wurde die Triumph lange verdrängt. Bis sie vor einigen Wochen aufgrund einer Verkaufsanzeige wieder in mein Gedächtnis zurückschoß. Flugs habe ich nahe Berlin einen Termin gemacht, um eine Bonneville von 2005 mit ehrlicher Kaufabsicht auszuprobieren. Aber der Termin gestaltete sich anders, als erwartet – die Maschine war noch ein Vergasermodell von 2005 – dieser Motor war zahnlos. Da kam nichts rüber. das Moped fuhr und das wars auch schon. Ich war enttäuscht.#

Zum Hintergrund ist zu sagen, daß ich die Bonnie ins Auge gefaßt habe, damit auch meine kurzbeinige Gattin damit herumkurven kann. Aber nach diesem Test…? Nee.

Jetzt hatte ich gelesen, daß das Modell Scrambler zwar nominell weniger Leistung als der eh schon schlaffe Bonniemotor hat, dafür aber eine anders gestaltete Kurbelwelle und mehr Bums untenrum. Also hab ich meine kurzbeinige Frau verdrängt und einen Probefahrttermin beim Händler vereinbart.

Was soll ich sagen – nach 45 Minuten gab ich Maschine mit einem extrafetten Grinsen im Gesicht wieder ab. So macht Moppedfahren Spaß, sogar im Berufsverkehr von Leipzig. Nicht nur, daß der Motor dank anderem Hubzapfenversatz einigermaßen erwachsen klingt, nein, er benimmt sich auch so, wie ich es von einem Twin erwarte – er schiebt von unten und geht flott und gleichmäßig mit Dampf in den Begrenzer. Super. Die nominell fehlende Leistung gegenüber der Bonnie ist nicht zu fühlen. Gut, bei 160 km/h wurde die Scrambler zäh und zappelig, aber mal ehrlich, das ist auch keine Wohlfühlgeschwindigkeit mehr, wenn man hinter einem gefühlt riesigen Lenker im Fahrtwind hängt…

Die Sitzposition ist für meine Einszweiundsiebzig ein wenig hoch, aber für sicheren Stand noch kein Problem. Störender ist da schon der hochgelegte Auspuff, dessen Krümmer dem rechten Bein gehörig einheizen und ihm auch ständig irgendwie im Weg sind und dessen Hitzeschild für einen Metersiebzigmann an ergonomisch wirkungsloser Stelle klemmt. Hier wären bei Kaufabsicht Umbaumöglichkeiten zu eruieren. Allerdings sind die hochgelegten Krawalltüten auch das optische Highlight der ganzen Fuhre und dafür nimmt man jede Unbill in Kauf.

Durch die im Vergleich zur Bonnie-Basis längeren Federbeine und die verlängerte Gabel liegt die Scrambler insgesamt ein wenig höher. In Verbindung mit den Asphalttrennscheiben ergibt sich eine Agilität und Handlichkeit, die ich von meiner 180er bereiften FZ6 gar nicht kenne. Die Scrambler fühlt sich viel leichter an, als sie ist.

Was mich tatsächlich gestört hat, ist das mörderbreite Lenkergeweih, aber an Lenkstangen mangelt es im Handel glücklicherweise nun wirklich nicht.

Alles in allem scheinen die Scrambler und ich im nächsten Sommer Freunde werden zu können.

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